Ödipus I: basics – Teil 1
Der Ödipuskomplex gilt als der Kernkomplex der Neurosen, ihm wurde von Sigmund Freud Allgemeingültigkeit zugesprochen: „Jedem menschlichen Neuankömmling ist die Aufgabe gestellt, den Ödipuskomplex zu bewältigen; wer es nicht zustande bringt, ist der Neurose verfallen.“
Ausgehend vom antiken Mythos werden wir die Konzeptionalisierungen Freuds bis hin zum
in der Rezeptiongeschichte lange verdrängten „vollständigen Ödipuskomplex“ nachverfolgen.
Das Seminar ist auf drei Teile angelegt: im folgenden Semester werden wir uns der Frage zuwenden, welche Formen der Ödipuskomplex in einer spätpatriarchalischen Gesellschaft – mit postpatriarchalem Anspruch und androgynen kulturellen Tendenzen – mit alternativen Familienmodellen angenommen hat. U.a. wird uns das Konzept des „strategischen Ödiuskomplexes“ (Rohde-Dachser) beschäftigen. Im SS 2027 schließlich soll es um die Frage gehen: ist der Ödipuskomplex wirklich ubiquitär? Wie sieht es in nicht-westlichen Kulturen aus?
Literatur:
Sophokles: König Ödipus
Sigmund Freud (1900): Die Traumdeutung. Kapitel V, Abschnitt E
– (1910): Ein besonderer Typus der Objektwahl beim Manne
– (1923): Das Ich und das Es
– (1924): Der Untergang des Ödipuskomplexs
– (1931): Über die weibliche Sexualität
Dipl.-Psych. Gabriele von Bülow M.A.
Seminar: 3 UE, Präsenzveranstaltung, TP/AP/Ä, alle

