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Affektregulation und Suchttendenzen – Pflichtveranstaltung – 1. Termin

11. Mai 2026 | 19:00 - 21:15

Durch libidinös-aggressive frühkindliche Erfahrungen (wie liebevolle Zuwendung oder emotionale Vernachlässigung) und neurobiologisch wie durch Hunger und Schmerzen wird die Neuroplastizität des Menschen sowie die Entstehung des Ichs (mit den Funktionen des Bewusstseins, der Abwehrmechanismen und die Ausformung des Angstsystems) geprägt. Das sich entwickelnde Bewusstsein (um das Ich und die eigene Identität) entsteht so komplex und heftig, dass (als Schutzmechanismus durch die frühkindliche Amnesie) Wesentliches nicht mehr bewusst zugänglich ist. Durch die triebpsychologisch erfolgte Besetzung (S. Freud) der Affekte erklärt sich unser Verhalten mit der Lust-Unlustregulation sowie die libidinös-aggressive Balance (Homöostase). Auf die Bedeutung der Abwehr zur Bewältigung von Gefühlen (wie Vernichtungsangst, Ohnmacht, Neid, Wut, Unsicherheit wie auch positive Gefühle wie Freude, Glück, Lust, Begeisterung etc.) sowie auf die Wirkung des Selbst bei der Affektregulation wird eingegangen.
Die zentrale Botschaft ist und bleibt: Der Mensch wird fühlend geboren, unser Denken und bewusstes Handeln entwickelt sich später. Die Motive unseres Verhaltens und die Affekt-regulation wird durch Verstehen der Affektlogik erklärbar. Zur Abwehr von Unlust werden (regressive) Phantasien mit angenehmem Einfluss auf Gefühle (und mit neurophysiologischer Wirkung auf das Neurotransmitter– und Endorphinsystem) eingesetzt. Resultierend entsteht tendenziell bequemes und sich wiederholendes Verhalten. Über psychische Gewöhnung entstehen stoff- und stoffunabhängige Verhaltensweisen unter maligner Regression (M. Balint) mit süchtigem Denken, Tendenzen und Verhalten zur Stabilisierung des psychischen Gleichgewichts. Exemplarisch wird der Umgang z.B. mit Arbeit, Sport, Sex, Spielsucht, Medikamenten und Suchtmitteln besprochen.

Literatur:
Balint, Michael: Regression. Therapeutische Aspekte und die Theorie der Grundstörung. Klett-Cotta. 1968
Ciompi, Luc: Affektlogik. Über die Struktur der Psyche und ihre Entwicklung. Carl Auer. 1982
Ciompi, Luc: Außenwelt-Innenwelt. Die Entstehung von Zeit, Raum und psychischen Strukturen. Vandenhoeck&Ruprecht. 1988
Kernberg, Otto F: Borderline-Störungen und pathologischer Narzissmus. Suhrkamp. 1983

Die Teilnahme an der Vorlesung ist verpflichtend für alle, die noch nicht an dieser teilgenommen haben.

Dr. med. Lothar Schlüter-Dupont
Vorlesung: 3 UE, Präsenzveranstaltung, TP/AP, alle, die noch nicht teilgen. haben

Details

  • Datum: 11. Mai 2026
  • Zeit:
    19:00 - 21:15
  • Veranstaltungskategorie: