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Schlaf und Schlafstörungen – Zwischen Neurobiologie, Psychodynamik und Traum

10. Dezember 2026 | 18:00 - 20:15
Kostenlos

2 Veranstaltungen: Wintersemester 2026/7 u. Sommersemester 2027

Schlaf ist ein grundlegender biologischer und psychischer Regulationsprozess. Er dient der körperlichen Erholung, der Gedächtniskonsolidierung, der Affektregulation und der Verarbeitung von Erfahrungen. Zugleich gehören Schlafstörungen zu den häufigsten Beschwerden in der psychotherapeutischen Praxis.

Das Seminar vermittelt zunächst Grundlagen des normalen Schlafes, der Schlafarchitektur sowie der zirkadianen und homöostatischen Regulation. Es wird der Frage nachgegangen, wann aus vorübergehend schlechtem Schlaf eine behandlungsbedürftige Schlafstörung wird. Dargestellt werden die wichtigsten Gruppen von Schlafstörungen, insbesondere Insomnien, schlafbezogene Atmungsstörungen, Hypersomnien, zirkadiane Rhythmusstörungen, Parasomnien und schlafbezogene Bewegungsstörungen. Ursachen, prädisponierende Bedingungen sowie auslösende und aufrechterhaltende Faktoren werden aus biologischer, psychosomatischer und psychodynamischer Perspektive betrachtet.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der chronischen Insomnie. Hyperarousal, Grübeln, Kontrollversuche, Erwartungsangst und ungünstige Schlafgewohnheiten können einen sich selbst verstärkenden Kreislauf bilden. Psychodynamisch stellt sich die Frage, welche Bedeutung Loslassen, Kontrolle, Sicherheit, Trennung, Abhängigkeit und innere Alarmbereitschaft für die Fähigkeit zu schlafen haben.

Die diagnostische Vorgehensweise umfasst die strukturierte Schlafanamnese, Schlaf-Wach-Rhythmus, Tagesmüdigkeit, Medikamenten- und Substanzeinflüsse sowie Hinweise auf somatische und schlafmedizinische Ursachen. Grundzüge der medikamentösen Behandlung und ihre Grenzen werden ebenso besprochen wie psychotherapeutische Behandlungsprinzipien.

Ein weiterer Schwerpunkt gilt dem Verhältnis von Schlaf und Traum. Im Traum wird die Bindung an äußere Sinnesreize gelockert; intern erzeugte Bilder, Affekte und Erinnerungselemente gewinnen an Bedeutung. Aus heutiger neurobiologischer und prädiktiver Perspektive lässt sich der Traum als besondere Form innerer Weltgenerierung verstehen, in der das Gehirn eine vorübergehend als wirklich erlebte Szene erzeugt. Damit berührt das Traumerleben Fragen von Halluzination, Wahrnehmung sowie Selbst- und Weltorganisation – sowie das Thema „Storytelling“.

Die psychoanalytische Perspektive führt von Freuds Konzept der Traumarbeit über Bions Verständnis des Träumens als psychische Transformationsleistung (Alpha-Funktion) bis zu gegenwärtigen intersubjektiven Ansätzen. Traumdeutung wird dabei nicht nur als Entschlüsselung verborgener Inhalte verstanden. Der erzählte Traum entsteht im therapeutischen Feld erneut: Er wird erinnert, sprachlich gestaltet, affektiv aktualisiert und in der Beziehung zwischen Patient und Therapeut gemeinsam weitergedacht. Gegenübertragung, Resonanz und Reverie werden damit Teil der Traumarbeit.

Ziel des Seminars ist ein integratives Verständnis von Schlaf und Schlafstörungen, das schlafmedizinische Grundlagen, Neurobiologie, Psychosomatik, Psychodynamik und moderne psychoanalytische Traumarbeit miteinander verbindet.

Dr. med. Klaus-J. Lindstedt
Seminar: 3 UE, Präsenzveranstaltung, TP/AP, alle

Präsenzteilnahme

6 Teilnehmer
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Details

  • Datum: 10. Dezember 2026
  • Zeit:
    18:00 - 20:15
  • Eintritt: Kostenlos
  • Veranstaltungskategorie: