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Psychodynamik von AD(H)S

16. Februar 2027 | 18:00 - 20:15
Kostenlos

AD(H)S basiert zumeist auf einer frühen und oft persistierenden Beziehungsstörung mit primären Bezugspersonen, die sich schlussendlich als Verhaltensstörung zeigt. Häufig sind traumatische Trennungserlebnisse eines betroffenen Kindes selbst oder transgenerationale Traumata der Mutter auszumachen, die sie unverstanden in die frühe Beziehung mit dem Kind einbringt. Der Vater ist als emotional haltender und verstehender Dritter in der Familie entweder abwesend oder er steht außerhalb einer ambivalent verwickelten Mutter-Kind-Symbiose. Impulsiver Bewegungsdrang oder „verträumte Rückzüge“ des Kindes dienen der Flucht vor dem eigenen Innenleben und der emotionalen Nähe in einer Beziehung. Die aktive Flucht nach vorne z.B. hat die Funktion, Angst vor regressiver Wiederkehr früher Ohnmachtserfahrungen im Zaum zu halten. Derartige Verhaltensstörungen aufseiten des Kindes haben nicht selten eine psychisch stabilisierende Funktion für die Mutter. In derartig gelagerten Fällen kann die Hyperaktivität ihres Kindes der Mutter als Antidepressivum dienen und sie psychisch lebendig halten. Die von der Psychiatrie angebotene Biologisierung und Medikalisierung sozialer Probleme entlastet viele Eltern zwar subjektiv und führte zur explosionsartigen Verbreitung der Diagnose. Sie verführt aber vor allem dazu, den Blick von den problematischen Beziehungserfahrungen fort und zum angeblich vererbten Hirnstoffwechsel hin zu wenden. Ein Kind mit einer hirnorganischen Krankheit zu haben scheint leichter zu akzeptieren, als die Erkenntnis, dass auch frühe problematische Beziehungserfahrungen die Bildung der kindlichen Persönlichkeit formen. Mit der Diagnose AD(H)S wird das störende, individuelle Verhalten eines Kindes und seiner Eltern zum Bestandteil eines organmedizinischen Krankheitsmodelles. Diagnose und medikamentöse Behandlung bergen dabei die Gefahr, sich allzu schnell von dem Kind mit seinen individuellen sozialen Erfahrungen zu entfernen und es zum Teil eines derartigen Kategoriensystems zu machen.

Bernhard Möbus (Facharzt)
Seminar: 3 UE, Präsenzveranstaltung, TP/AP, alle

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Details

  • Datum: 16. Februar 2027
  • Zeit:
    18:00 - 20:15
  • Eintritt: Kostenlos
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