Ödipus II
In diesem Semester werden wir uns der Frage zuwenden, welche Formen der Ödipuskomplex in unserer spät- bis postpatriarchalen Gesellschaft angenommen hat mit seinen sich verändernden traditionellen Geschlechtsstereotypen und alternativen Familienmodellen. Neuere Ansätze in Psychoanalyse und Bindungstheorie gehen von einer Entkoppelung von Ödipuskomplex resp. Triangulierung und biologischem Geschlecht aus: Begehren, Rivalität und Identifizierung richten sich nach den real zur Verfügung stehenden (Bindungs-)personen, die, unabhängig vom Geschlecht, „paternale“ und „maternale“ Funktionen ausüben können.
Zuvor werden wir uns mit dem Konzept des „strategischen Ödipuskomplexes“ von Rohde-Dachser beschäftigen, die damit, in Abgrenzung zum „reifen“ Ödipuskomplex, eine Formation beschreibt, die der Abwehr ödipaler und vor allem präödipaler Konflikte sowie der Erhaltung dyadischer Strukturen dient.
Literatur:
–Christa Rohde-Dachser: Die ödipale Konstellation bei narzißtischen und Borderline-Störungen. In: PSYCHE 9, 41. Jg, 1987
–L. Barth, C. Knobloch, K. Schweizer; Frühe Triangulierung und Elternschaft in Zwei-Mütter-Familien: emotionale Nähe, Bindung und Rollenverteilung. In: Forum der Psychoanalyse (2026) 42:179-194
Dipl.-Psych. Gabriele von Bülow M.A.
Seminar: 3 UE, Präsenzveranstaltung, TP/AP/Ä, alle

